Bindung

Was bedeutet Bindung?

Bindung ist ein Grundbedürfnis des Menschen und bildet ihre Wurzeln – streng genommen – bereits im Mutterleib. Spätestens wenn ein Baby geboren wurde, können wir Bindungsverhalten beobachten. Das Baby sucht Kontakt, und idealerweise beantworten die Eltern diesen Kontaktwunsch passend zum Bedürfnis des Kindes. Je nachdem wie gut das gelingt, prägt sich im Laufe der Zeit ein bestimmter Umgang miteinander aus und der bleibt – so unglaublich das klingt – als unbewusstes Verhalten das restliche Leben abgespeichert. Wenn du mehr dazu lesen willst, besuche doch meine Seite für Eltern www.baby-coaching.com und hier speziell die Seiten über die Entwicklung von Bindung und Emotionsentwicklung. Basierend auf den frühkindlichen Erfahrungen gibt es auch im Erwachsenenalter verschiedene Bindungstypen, die sich durch ihr charakteristisches Verhalten unterscheiden.

Bindung im Erwachsenenalter

Sehr wahrscheinlich ist dir schon einmal aufgefallen: Menschen unterscheidet oberflächlich betrachtet ihr generelles Bedürfnis nach Bindung und bei genauerer Betrachtung wird klar, Menschen wollen unterschiedlich viel Nähe zu anderen. Das ist gleichzeitig der charakteristischste Verhaltensunterschied zwischen den unterschiedlichen „Bindungstypen“. Die Balance zwischen Nähe und Distanz in Beziehungen. 

Sichere Bindung

Das sind jene Menschen, die sich nicht schwer damit tun sich auf andere einzulassen. Sie können ihre Bedürfnisse spüren und mitteilen, sind loyal und verlässlich. Ihr Bedarf nach Nähe und Distanz ist ausbalanciert, das heißt sie verbringen gerne Zeit mit dem Anderen, verlieren sich aber nicht in der Beziehung, sondern bewahren sich eine gesunde Autonomie. Sie können auch mal gut eine Zeit lang ohne Beziehung sein und entspannt ihr Leben genießen, bis ein passendes Gegenstück kommt. 


Vermeidende Bindung (Nähe wird vermieden)

Diese Menschen halten andere auf Distanz, geben immer nur so viel, um die Verbindung gerade so aufrechtzuerhalten, aber lassen sich oft nicht wirklich ein.  Je nach Ausprägung sind sie emotional  unerreichbar oder gehemmt, wirken kühl, analytisch und (pseudo-)selbstbewusst. Es scheint so als hätten sie kein Interesse an Nähe, aber das täuscht. Oft haben sie in der Kindheit Erfahrung mit Grenzüberschreitungen und Kontrolle seitens der Eltern gemacht und haben eher Angst vor Übernahme. Charakteristisch sind ihre Mauern des Schweigens. und die Tendenz zur Nicht-Kommunikation sobald es für sie schwierig wird. 

Verstrickte Bindung (Nähe ist das Wichtigste)

Hier handelt es sich um Menschen, die Distanz schlecht ertragen und viel Nähe brauchen. Sie wirken in Beziehungen eher abhängig, stellen eigene Wünsche zurück um zu „gefallen“. Aber plötzlich können die unterdrückten Bedürfnisse durchkommen und sich explosionsartig entladen. In der Kindheit haben diese Menschen einen Mangel erlitten. Einen Mangel an Zuwendung oder einen Mangel an Kontinuität. Sie haben gelernt, nur mit dem aufbrausenden/auffälligen Verhalten eine Reaktion zu bekommen und setzen das unbewusst immer wieder ein. Das ist charakteristisch für diesen Bindungstyp. 

Distanzierte und verstrickte Anteile können individuell unterschiedlich stark ausgeprägt sein.
Von leichten Tendenzen (die fast jeder in eine von den beiden Richtungen hat) bis zu starker Ausprägung ist natürlich alles möglich. 

Und: Deine distanzierten oder verstrickten Anteile können sich je nach Partner*in verstärken oder abschwächen.
Wechselseitige Dynamik! 😉

traumatisierte Bindung

Dieser Bindungstyp zeichnet sich durch ausgeprägte Wechsel im Nähe-Distanz-Verhalten aus. Diese Menschen sehnen sich nach Beziehung, ja brauchen sie sogar, und fürchten gleichzeitig die Nähe und die Gefahr der Verletzung. Mal sind sie kühl, dann wieder verwundbar, und reißen ihren Partner in diesen Strudel mit. Sehr wahrscheinlich gibt es hier eine Bindungstraumatisierung durch zB Misshandlung, und es kann eine mehr oder weniger ausgeprägte Persönlichkeitsproblematik wie zB eine Borderline-Störung, vorliegen. Charakteristisch ist die Unberechenbarkeit im Verhalten

Mehr über das Verhalten von nicht-sicheren Bindungstypen findest du in den Rubriken Dating und Beziehung. 

Kann man Bindungsmuster verändern?

Ja! Nämlich dann, wenn man unter dem eigenen Bindungsverhalten leidet und etwas verändern möchte. 
Das ist ein Weg der etwas Zeit, und vielleicht auch Begleitung, benötigt, aber es ist – in jedem Alter (!) – möglich das eigene Bindungsverhalten zu verändern. Die Belohnung dafür sind gesündere, stabilere Beziehungen (egal ob im Freundeskreis, oder in der Partnerschaft) ohne viel Drama oder wiederholten Verletzungen.

Nochmal ja, aber auf eine ungesunde Art. Nämlich dann, wenn man an eine*n Partner*in gerät, der/die das eigene Bindungsmuster ausgeprägter hat als man selbst. Also wenn diese Person NOCH distanzierter oder NOCH nähebedürftiger ist. Mehr dazu findest du unter der Rubrik Beziehung

Nein, wenn man das Bindungsmuster einer anderen Person beeinflussen möchte. Das funktioniert nur auf eigene Kosten und es ist keine echte Veränderung, sondern im Grunde nur eine Manipulation, die unglaublich anstrengend ist. Auch das thematisiere ich unter der Rubrik Beziehung